CSP-Grundsatzprogramm
Verabschiedet von den Kongressteilnehmern am 8. November 2008.
Menschen bewegen – Zukunft gestalten
Grundsatzprogramm der Christlich Sozialen Partei:
Verabschiedet anlässlich des Grundsatzkongresses am 8. November 2008 in Eupen.
Inhaltsverzeichnis
I. Blick in die Zukunft
II. Europa
A. Europa eine Wertegesellschaft
B. Die rasante Entwicklung unserer Gesellschaft
1. Immer weniger Staat
2. Der Individualismus prägt das Ende des 20. Jh.
3. Folgen des neuen Individualismus
4. Das Profil der Parteien ist im Umbruch
III. Das neue Grundsatzprogramm
A. Grundsätze der Christlich Sozialen
1. Die Partei der Zukunft
2. Eine Partei im belgischen und europäischen Verbund
a) Eine Partei getragen von einer breiten Basis
b) Von der lokalen zur europäischen Ebene
c) Sich dem Bürger auf allen Ebenen stellen
B. Allgemeine Grundsätze
1. Eine christliche Partei
2. Eine Volkspartei und ihr Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft
C. Die Identität der Christlich Sozialen
1. Der Mensch steht im Mittelpunkt
2. Die Familie als erster Baustein der Gesellschaft
3. Chancengleichheit als Leitgedanke
4. Den aktiven Dialog fördern
5. Aktive Solidarität fördern
6. Entscheiden in der Subsidiarität
7. Nachhaltigkeit gestalten
8. Das Fundament moderner Sozialpolitik stärken
9. Die Schöpfung erhalten
10. Ökonomie: Eine Grundlage der Lebensqualität
11. Identität in einer multikulturellen Gesellschaft
IV. Eine werteorientierte Politik: Mut zur Debatte
V. Ausblick
Menschen bewegen – Zukunft gestalten
I. Blick in die Zukunft
Die Christlich Soziale Partei
passt nach 1983 und 1991 ihr Grundsatzprogramm an. Eine Partei, die ein
neues Grundsatzprogramm erstellt, verdeutlicht damit den Willen, sich
mit einer veränderten Gesellschaft und ihren Werten auseinander zu
setzen und sich den Herausforderungen der Gegenwart mit Blick in die
Zukunft zu stellen. In Umbruchzeiten ist es wichtig, sich seiner
Fundamente sicher zu sein.
Als größte Volkspartei in der
Deutschsprachigen Gemeinschaft befasst sich die Christlich Soziale
Partei nicht nur mit der Tagespolitik. Es gilt gleichzeitig, sich den
Fragen der Gesellschaft zu stellen: Welche Tradition und Kultur prägen
unser politisches Handeln, und welche Visionen und Vorstellungen
entwickeln wir für die Zukunft?
Unsere Gemeinschaft, als Teilregion Belgiens, ist im europäischen Gefüge fest eingebunden.
II. Europa
A. Europa - eine Wertegesellschaft im Umbruch
Das
europäische Wertesystem gründet in vier Wurzelstränge: Demokratie,
Rechtsstaatlichkeit, christliches Weltbild und Humanismus.
Christliche Volksparteien, die sich während des 19. und 20. Jh. gegründet haben, folgen diesen Grundlagen bis heute.
Für
uns Christlich Soziale bilden Toleranz, Freiheit des Einzelnen, Achtung
der Menschenwürde und Solidarität bleibende Werte, die unser Handeln
bestimmen. Trotz gesellschaftlicher Herausforderungen und Veränderungen
bleiben diese Werte unsere Orientierungspunkte.
Vor diesem
Hintergrund ist in unseren Augen Europa nicht allein eine Frage der
geographischen Grenzen und einer sperrigen Verwaltung, sondern vor
allem eine Wertegemeinschaft und somit eine Herausforderung für eine
friedliche und sichere Zukunft.
B. Die rasante Entwicklung unserer Gesellschaft
1. Immer weniger Staat
Die
Nachkriegszeit war bis zum Beginn der 70er Jahre eine Aufbauzeit, in
der die aktive Bevölkerung, die Sozialpartner und der Staat gemeinsam
die Lebensqualität aller Menschen spürbar steigerten.
In den 70er und 80er Jahren wurde die Fähigkeit des Staates, wirtschaftlich und effizient zu arbeiten, in Frage gestellt.
Das Wachstum geriet ins Stocken, und die Arbeitslosigkeit stieg.
Die
Antwort fand man unter anderem in der Privatisierung der Bereiche, die
vorher als Kompetenz des Staates betrachtet wurden. So erfolgten u.a.
die Privatisierung von Banken oder gewisser Dienstleistungen (z. B.
Telefon, Strom- und Gasversorgung, ...).
In der Folgezeit begann
sich die Bevölkerungsstruktur zu verändern. Die Geburtenzahlen waren
rückläufig, und die Zahl älterer Mitmenschen stieg. Das Verlangen nach
einer verbesserten Lebensqualität blieb indes lebendig. Dieses bezog
sich allerdings nicht auf die Gesellschaft als solche, sondern auf den
Einzelnen selbst.
Aus der Nachkriegsgesellschaft entstand zunehmend eine Wohlstandsgesellschaft und später eine Erlebnisgesellschaft.
Es kam zu Werteverschiebungen und zur Entstehung neuer Werte.
2. Der Individualismus prägt das Ende des 20. Jh.
Der
Individualismus, der den Einzelnen ins Zentrum allen gesellschaftlichen
Handelns stellt, wurde durch den Konsum und die Werbung bestätigt:
Produkte wurden auf den Menschen abgestimmt.
Die Welt wurde für
viele Menschen unübersichtlich. Die informierte Wissensgesellschaft
teilt die Bevölkerung ein in diejenigen, die wissen und teilhaben und
diejenigen, die außen vor bleiben.
Der Zugang zu Information und Geschehen ist globalisiert, der Arbeitsmarkt dual: Großverdiener stehen Kleinverdienern gegenüber.
Keine
gesellschaftliche Gruppe oder Organisation kann sich nunmehr als die
alleinige Inhaberin der Wahrheit bezeichnen. Wahrheit gibt es nur im
Plural. Verunsicherung vieler Menschen, die an traditionellen Konzepten
hängen, war die Folge.
Die Gesellschaftsstruktur veränderte sich in
mehrfacher Hinsicht: Traditionelle Familienstrukturen werden zunehmend
durch neue Formen des Zusammen- oder des Alleinlebens ersetzt.
3. Folgen des neuen Individualismus
Weitgehende
Folge dieses Individualismus ist die Tendenz, dass keiner mehr eine
Doktrin oder Vorgabe will, sondern jeder sich auf seine eigene Doktrin,
seine Religion und seine Lebensweisheit konzentriert.
Unsere
Gesellschaft ist inzwischen geprägt von dem Gedanken, dass die Politik
unfähig ist, Probleme zu lösen, und dass privates Engagement ohnehin
nichts verändert.
Die Frage nach der Eigenverantwortung wird selten gestellt, dagegen wird die Opferrolle sehr gern eingenommen.
Die Angst vor allem Fremden oder Umweltkatastrophen wächst, so dass der Wunsch der Bürger nach Sicherheit steigt.
Dabei
werden jedoch die Widersprüche ignoriert, wie global einkaufen und
lokale Qualität fordern, weltweit tätig sein und sich vor der Außenwelt
abschotten.
Spürbar ist ebenfalls die Entwicklung zur
individualisierten Gesellschaft, in der der Einzelne nicht selten auf
Kosten der Allgemeinheit nach Anerkennung strebt.
So wird das Recht
in Anspruch genommen „anders“ zu sein oder das Recht, Konflikte
auszutragen – ohne dabei jedoch die Pflicht zu erkennen, Lösungen zu
finden.
Dadurch entsteht eine Mitläufermentalität, in der im
Grunde wenig vom Interesse am Gemeinwesen zu spüren ist. Es wird die
Unzufriedenheit geteilt, nicht aber der Wille, gemeinsam nach Lösungen
zu suchen.
Der Missbrauch im politischen Alltag hat oft für die
Abwendung des Bürgers von der Politik gesorgt. Der Missbrauch innerhalb
des öffentlichen Mandats war ein wichtiges Argument, Politik und
Parteien als unfähig, unzuverlässig und unehrlich zu betrachten.
4. Das Profil der Parteien ist im Umbruch
Die
politischen Parteien und die Parteienlandschaft haben sich vor diesem
Hintergrund stark verändert. Die Zahl der Parteien mit sehr
spezifischen Zielsetzungen oder Einzelinteressen (Interessen- und
Wählergemeinschaften) nimmt auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft
zu.
Der Verzicht auf den Begriff "Partei", um sich stattdessen
Bewegung oder Gruppierung zu nennen, ist der durchschaubare Versuch,
dem negativ belegten Begriff "Partei" zu entgehen.
Die Umbenennung
einer Partei oder die Änderung ihres Erscheinungsbildes und die
konstante Kritik am parteipolitischen System haben bedeutende
Auswirkungen auf die Entwicklungen der traditionellen Parteien.
Die
gefährlichste Entwicklung war aber die, die im Zuge der Globalisierung
und der Öffnung der Grenzen zu extremen Formen des Turbokapitalismus,
d. h. Neoliberalismus oder zu Nationalismus, führte. Einerseits standen
das Dogma des allmächtigen Marktes, besonders der Finanzmärkte, und
andererseits die Angst vor Fremdem, dem Identitätsverlust oder dem
Verlust der Lebensqualität im Mittelpunkt. Beide Faktoren hatten die
systematische Absage an jede Form der Solidarität, der Gerechtigkeit
und der Wertegesellschaft zur Folge.
Die Globalisierung sollte
jedoch auch als Chance für Wirtschaft, Bildung und Frieden gesehen
werden. Dazu werden Regeln benötigt, die nicht nur europaweit, sondern
auch weltweit angestrebt werden müssen.
III. Das neue Grundsatzprogramm
A. Grundsätze der Christlich Sozialen
1. Die Partei der Zukunft
Vor
dem Hintergrund der Entwicklung der letzten Jahrzehnte sind eine
Grundsatzdebatte und ein Grundsatzprogramm einer Partei von ganz
besonderem Interesse.
Die Grundsätze einer Partei neu zu überdenken,
ist mehr als eine theoretische Auseinandersetzung mit der
Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Wir Christlich Soziale
geben konkrete Antworten auf die Fragen und zukünftigen
Herausforderungen, die die Bevölkerung im täglichen Leben beschäftigen.
Wir legen offen, welche Vorzüge unsere Arbeit in einer modernen
Gesellschaft hat.
2. Eine Partei im belgischen und europäischen Verbund.
a) Eine Partei getragen von einer breiten Basis
Wir
sind der Überzeugung, dass eine Partei nach wie vor eine optimale
Plattform für politisches und gesellschaftliches Engagement darstellt.
Wir
Christlich Soziale setzen auf offene Strukturen und Mitbestimmung: Die
aktive Beteiligung ist unabhängig von einer Mitgliedschaft. Die
Leitlinien der Partei werden durch Basisarbeit festgelegt.
Die Arbeit des Einzelnen, sein Einsatz und sein Wille zur Mitarbeit sind dabei ausschlaggebende Faktoren.
Ein lebendiger, ehrlicher und offener Dialog ist für uns Christlich Soziale von zentraler Bedeutung.
b) Von der lokalen zur europäischen Ebene
Wir
Christlich Soziale sehen es als Trumpf an, Teil eines belgischen,
euregionalen und europäischen Verbunds zu sein. Auch das ist ein
Vorteil lokalen, regionalen oder nationalen Bewegungen gegenüber.
Besonders dieses Prinzip der Subsidiarität verlangt, dass eine Partei auf allen Ebenen ihre Verantwortung übernimmt.
Institutionell
hat unsere Deutschsprachige Gemeinschaft Aufgaben, die sie alleine im
Rahmen der Subsidiarität zu meistern hat. Das bedeutet, dass die DG die
Kompetenzen ausüben soll, die auf dieser Ebene am effizientesten
ausgeführt werden können, so dass die Bevölkerung daraus den
größtmöglichen Nutzen zieht. Die Christlich Soziale Partei versteht
dies im Rahmen der Subsidiarität.
Selbst wenn die Deutschsprachige
Gemeinschaft ein festes Statut im belgischen Staatsgefüge hat, schließt
das weitere Reformen für unser Land und unsere Gemeinschaft nicht aus.
Auch unsere Rolle in der Euregio Maas-Rhein und der Großregion
Saar-Lor-Lux verlangt eine überregionale Zusammenarbeit. Nicht zuletzt
die EU-Politik betrifft uns mehr und mehr im Alltag und stellt auch die
Deutschsprachige Gemeinschaft vor neue Herausforderungen.
Herausforderungen dieser Art lassen sich nur im engen Verbund mit
unseren Nachbarregionen, den National- und EU-Strukturen realisieren.
Die
CSP hat immer ein klares Profil ihren Schwesterparteien gegenüber
gezeigt. Sie trägt die Wertevorstellung dieser Parteien mit, vor allem
die, die sich auf ethische Fragen beziehen. Wir sind seit Jahrzehnten
verwurzelt in dieser Gemeinschaft und haben ihre Geschicke und ihre
Entwicklung mit gestaltet. Diese Arbeit hat auf den verschiedenen
Ebenen Früchte getragen, weil die CSP als dauerhafter und zuverlässiger
Partner auf Ebene der cdH, CD&V und EVP handelt
Dieser
fortwährende Einsatz ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir unsere
Gemeinschaft und unsere Mitmenschen glaubwürdig vertreten wollen.
c) Sich dem Bürger auf allen Ebenen stellen
Partei
im belgischen und europäischen Verbund zu sein, ist die "moderne Form"
des politischen Engagements und echte Verantwortung den Bürgern
gegenüber. Denn der Alltag der Menschen bezogen auf Fragen der
Erziehung, der Arbeit und der Gesundheit wird durch lokale, regionale,
föderale aber auch durch europäische und sogar globale Entscheidungen
beeinflusst.
B. Allgemeine Grundsätze
1. Eine christliche Partei
Unser Grundsatzprogramm ist Bekenntnis und Leitlinie für unser politisches Handeln.
• Politik ist für uns Dienst am Mitmenschen in unseren Gemeinden und für unsere DG, für unser Land und für Europa.
Wir
orientieren unser politisches Handeln am christlichen Menschenbild und
an damit verbundene Wertevorstellungen. Daher sind für uns ethische
Fragen Teil der öffentlichen Debatte und sind nicht nur Teil der
privaten Meinung. Aktive Pluralität bedeutet daher für die Christlich
Sozialen mehr als ein Nebeneinander der verschiedenen
Wertevorstellungen und schließt daher bloße Neutralität aus
• Die
Einsicht der Fehlbarkeit der Menschen bewahrt uns vor der Gefahr,
Politik zu ideologisieren und zeigt die Grenzen der Politik auf.
•
Wir Christlich Soziale sind Teil der Europäischen Volkspartei (EVP),
der großen Volkspartei der politischen Mitte, die Frauen und Männer aus
allen Gesellschaftsschichten, Berufen und Nationalitäten vereinigt.
2. Eine Volkspartei und ihr Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft.
Als Volkspartei der Mitte sind wir offen für alle Menschen der Gesellschaft ohne Unterschied von Stand und Herkunft.
Unsere
Grundwerte sind Solidarität, Subsidiarität und soziale Gerechtigkeit.
Das Gemeinwohl, die Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Leistung
bestimmen unsere Politik.
Die Christlich Soziale Partei bekennt sich
zur sozialen Marktwirtschaft. Wirtschaftlicher Nutzen und soziale
Gerechtigkeit sind hier zu gleichen Teilen vereint.
Die soziale
Marktwirtschaft stellt sich der schweren Aufgabe, im Spannungsfeld
zwischen Freiheit, Leistungsfähigkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit
das Gleichgewicht zu suchen.
Letztendlich ist die Frage der
Gerechtigkeit und Leistungsfähigkeit nur auf der Basis unserer
ethischen Überzeugung zu beantworten, dies auch im Respekt der Umwelt,
die wir als Schöpfung verstehen.
C. Die Identität der Christlich Sozialen
1. Der Mensch steht im Mittelpunkt
Menschliche
Werte stehen vor Sachwerten. Die Grundlage unserer politischen
Überlegungen stellt den Menschen und seine sichere und würdige Existenz
als Einzelnen und als Teil der Gesellschaft in den Mittelpunkt.
Jeder
Mensch ist eine einmalige und unersetzbare Person. Jeder kann unsere
Gesellschaft durch sein kreatives Denken, sein verantwortungsbewusstes
Handeln oder durch sein einfaches Dasein beleben und reicher sein
lassen.
Deshalb sind die Würde und das Leben des Menschen unantastbar.
Für
uns, die Christlich Soziale Partei, hat der Respekt vor dem Wesen des
Menschen und die Schutzwürdigkeit des Lebens vom Anfang bis zum Ende
unbedingte Priorität.
Aufgabe der Politik ist es, die bestmöglichen
Rahmenbedingungen zur Selbstverwirklichung des Einzelnen zu schaffen,
wobei unter anderem Gerechtigkeit, Sicherheit und soziale Integration
als Zielvorgaben dienen.
2. Die Familie als erster Baustein der Gesellschaft
Wir verstehen Familie als wichtigen Baustein der Gesellschaft.
Wir wollen eine Familienpolitik, in der das Bekenntnis zur Familie klar und konkret zum Ausdruck kommt.
Wir
wollen eine Familienpolitik, in der die verschiedenen Formen des
Zusammenlebens Anerkennung und entsprechenden Entwicklungsraum finden.
Wir
wollen eine familienfreundliche Gesellschaft, weil wir überzeugt sind,
dass die Familien ihre Rolle in der Begleitung, Beratung und
gegenseitigen Hilfe aktiv wahrnehmen müssen.
Die Familie muss erneut
die Möglichkeit haben, diese Aufgaben verstärkt wahr zu nehmen, weil
sie in unseren Augen die bessere Begleitung für den Menschen darstellt
und jeder Form der öffentlichen Strukturen vorzuziehen ist.
Wir
wollen mit den uns gegebenen Möglichkeiten eine kinderfreundliche
Gesellschaft fördern. Ein Kernpunkt liegt dabei in der Vereinbarkeit
von Familie und Erwerbstätigkeit.
3. Chancengleichheit als Leitgedanke
Die CSP steht für einen freien Zugang zur Bildung für alle, ohne jegliche Diskriminierung.
Auch Weiterbildungen müssen für alle zugänglich und erschwinglich sein.
Es
gilt, jedem Menschen nach seinen Bedürfnissen, Fähigkeiten,
Fertigkeiten und Anlagen gerechte Chancen zur persönlichen Entfaltung
zu gewährleisten.
Leitlinien sind hierbei die Solidarität der
Generationen, die Gleichbehandlung der Geschlechter, der Menschen ohne
Unterschied von Stand und Herkunft. Die Chancengleichheit bedeutet für
uns daher auch gleichen Respekt vor Leistung und Erfolg und vor der
Solidarität gegenüber den Schwachen unserer Gesellschaft. Die Rechte,
die man den Menschen zuspricht, sind jedoch nicht losgelöst von
Pflichten, die jeder nach seinen eigenen Möglichkeiten zu erfüllen hat.
4. Den aktiven Dialog fördern
Die
CSP versteht sich seit jeher als Partei der Mitte, die Männer und
Frauen aus allen Gesellschaftsschichten und Berufen vereint. Als die
Partei der Mitte bringt sie die verschiedenen Komponenten der
Gesellschaft zusammen und fördert demzufolge bereits den internen
aktiven Dialog.
Wir wollen das Miteinander leben, welches
einerseits den Willen der ansässigen Einwohner voraussetzt, neue
Mitbürger an- und aufzunehmen und deren Identität zu respektieren,
andererseits jedoch auch den Willen der neuen Mitbürger, sich in unsere
Wertegemeinschaft zu integrieren und unsere Traditionen zu
respektieren. Parallelgesellschaften und Fremdenhass gefährden den
Frieden unserer Gesellschaft. Ihnen muss nicht nur in einem
gesellschaftlich übergreifenden aktiven Dialog, sondern auch durch
einen wehrhaften demokratischen Rechtsstaates begegnet werden
5. Aktive Solidarität fördern
Die Leitlinie der Solidarität bedeutet: "Jeder Einzelne ist für das Wohl der Gesellschaft mit verantwortlich".
Wer
Hilfe und Solidarität von anderen erwartet, muss selbst bereit sein,
anderen zu helfen. Solidarität verpflichtet die Starken zum Einsatz für
die Schwachen und jeden Einzelnen zum Zusammenwirken für das Wohl des
Ganzen.
Mangelnde Solidarität treibt viele Menschen an den Rand
der Gesellschaft. Dort wird ihnen die Teilnahme am Gesellschaftsleben
erschwert und sogar verweigert.
Solidarität ist grenzenlos und gilt über nationale und europäische Grenzen hinaus im Sinne einer weltweiten Solidargemeinschaft.
Eine
solidarische Gesellschaft stützt Menschen besonders dann, wenn sich das
Leben durch Behinderungen und Einschränkungen nur bedingt alleine
gestalten lässt. Menschen mit Behinderungen müssen gleichberechtigt am
geistigen, sozialen, kulturellen, beruflichen und politischen Leben
teilnehmen können. Die Christlich Sozialen setzen sich dafür ein, dass
hierzu entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Solidarität bedeutet in erster Linie Priorität für die Armen, Schwachen, Kranken und Unterdrückten.
Solidarität
verpflichtet uns gegenüber den künftigen Generationen. Dies gilt ganz
besonders für den Erhalt der Grundlagen menschlichen Lebens, seiner
Würde und der Schöpfung.
Die Gesundheitsversorgung ist eine der
wichtigsten Kompetenzen der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Sie muss
allen Menschen in allen Lebenslagen präventiv und kurativ zugänglich
sein.
Die Pflege der älteren Mitmenschen soll diesen einen
würdevollen Lebensabend garantieren, unabhängig von ihren finanziellen
Möglichkeiten.
6. Entscheiden in der Subsidiarität
Die
Deutschsprachige Gemeinschaft verdankt ihre Existenz und
Weiterentwicklung vorrangig der Anwendung des Subsidiaritätsprinzips.
Die
Christlich Sozialen stehen klar für dieses Prinzip, das bürgernahe und
überschaubare Politik möglich macht. Was der Einzelne oder die kleinere
Gemeinschaft aus eigenen Kräften erreichen kann, darf ihnen nicht von
übergeordneten Instanzen vorenthalten werden.
Die Autonomie, die aus
der Subsidiarität entsteht, muss sich stets an den Maßstäben des für
uns Machbaren orientieren ohne Überheblichkeit oder Absage an die
Solidarität
Subsidiarität ist Synonym für Eigenverantwortung und Mitverantwortung für die Gemeinschaft.
7. Nachhaltig gestalten
Wir
Christlich Soziale stehen für eine nachhaltige Politik, die sowohl die
Herausforderungen der Gegenwart meistert als auch optimale
Entwicklungschancen künftiger Generationen garantiert. Deshalb sind
politische Entscheidungen stets auf ihre mittel- und langfristige
Wirkung zu hinterfragen.
Eine Politik der nachhaltigen Entwicklung
gilt für alle Bereiche, insbesondere der Bildung, der Ökologie, des
Sozialen, der Wirtschaft und nicht zuletzt der öffentlichen Finanzen.
Die nachfolgenden Generationen haben das gleiche Recht auf
menschenwürdige Lebensbedingungen. In den Bereichen Natur, Klima, und
Umwelt ist Nachhaltigkeit und politische Weitsicht gefragt, um sich den
zukünftigen Herausforderungen in den Fragen der Lebensqualität, der
schnell alternden Gesellschaft und der Raumordnung zu stellen.
8. Das Fundament moderner Sozialpolitik stärken
Wir
wollen eine Gesellschaft des Gemeinsinns, eine aktive, mitbestimmende
und mit gestaltende Bürgergemeinschaft, wobei die gesetzlich verankerte
Gleichberechtigung von Frauen und Männern aktiv umgesetzt wird.
Leitlinie
ist ein Generationenvertrag: Optimale Entwicklungs- und
Ausbildungsmöglichkeiten für die nachfolgenden Generationen und
Sicherheit im Alter.
Die Sozialhilfe in der Deutschsprachigen
Gemeinschaft muss sich an konkreter Bedürftigkeit,
Leistungsgerechtigkeit, Dienstleistungen des Staates und langfristiger
Finanzierbarkeit orientieren.
Wir wollen an einem einheitlichen und solidarischen System der sozialen Sicherheit für ganz Belgien festhalten.
Wir brauchen ein effizientes Sozialmodell für Europa und wollen dieses durch verbindliche soziale Standards mit gestalten.
Vision
bleibt eine globale, weltweite Sozialordnung. Sie setzt die Grundrechte
auf Freiheit und Gerechtigkeit voraus, den progressiven Aufbau der
Sozialrechte für alle, unter besonderer Berücksichtigung der
Schwächeren und Benachteiligten in der Gesellschaft.
9. Die Schöpfung erhalten
Der
Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, der Respekt und die Bewahrung
der Schöpfung sind Kernanliegen unserer Politik. Wir wollen unseren
Kindern und Enkeln eine Welt bewahren, die auch in Zukunft lebenswert
ist.
Die Umwelt und die natürlichen Güter verstehen wir als
Schöpfung, was uns verpflichtet diese zu schützen und zu bewahren.
Diese Herausforderung hat nicht nur lokalen und regionalen Charakter,
sie wird ihre Ziele nur durch Umwelt- und Gesundheitsstandards
erreichen, die weltweit gelten müssen. Um die natürlichen und
klimatischen Lebensgrundlagen zu schützen, brauchen wir eine effiziente
Wende hin zu erneuerbaren Energien zum Schutz der Vielfalt in Fauna und
Flora.
Zusammen mit einer nachhaltig geprägten Raumordnung machen wir uns stark für eine resolute Naturschutz- und Umweltschutzpolitik.
10. Ökonomie: Eine Grundlage der Lebensqualität
Vor
dem Hintergrund dieser sozialen und ökologischen Grundlagen soll sich
eine Wirtschaft entwickeln, die einen fairen Wettbewerb zulässt.
Die
Marktwirtschaft muss von Monopolen jeder Art befreit sein. Weder das
Staatsmonopol, die Planwirtschaft noch das private Monopol weltweiter
Konzerne können die Grundlage gesunder Ökonomie darstellen. Die
gerechte Verteilung der Güter, der soziale und ökologische Ausgleich
verlangt eine entsprechende Marktregulierung.
Die Soziale
Marktwirtschaft basiert auf dem Konzept, dass Arbeit sich lohnt und die
Arbeitnehmer am Erfolg ihrer Unternehmen teilnehmen können. Besonders
die Finanzmärkte, die losgelöst vom Prinzip funktioniert haben, dass
Arbeit oder wirtschaftliche Investitionen den Wohlstand der Menschen
mitbestimmen, müssen europaweit und weltweit stärker reguliert und
kontrolliert werden.
Die Christlich Sozialen stehen zu starken und
erfolgreichen mittelständischen Betrieben als nachweisliche Stütze
unserer Volkswirtschaft.
Da die Stärken eines Wirtschafts- und
Sozialstaates eng miteinander verknüpft sind, bleibt der Sozialdialog
eines der wesentlichen demokratischen Mittel des Zusammenwirkens von
Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
Für die Christlich Soziale Partei
ist es wichtig, dass die Menschen an der Gestaltung und den
Entwicklungen der Gesellschaft aktiv teilhaben.
11. Identität in einer multikulturellen Gesellschaft
Das
Zusammenleben mit Menschen anderer Kulturen und Nationalitäten gehört
zu den dringlichsten Herausforderungen, um ein multikulturelles
Miteinander zu ermöglichen.
Wir wollen das Miteinander leben,
welches einerseits den Willen unserer Bevölkerung voraussetzt, neue
Einwohner an- und aufzunehmen und deren Identität zu respektieren,
andererseits jedoch auch die neuen Anwohner anregt, sich in unsere
Gemeinschaft einzuleben und unsere Traditionen und Werte zu
respektieren. Dieser aktive Dialog nimmt "Fremdheit" ernst und
erforscht auf dieser Basis neue Gemeinsamkeiten.
12. Mehrsprachigkeit
Die
in unserer Gegend lange als selbstverständlich gewertete
Mehrsprachigkeit scheint mehr und mehr verloren zu gehen. Es darf nicht
sein, dass mit der erreichten Kultur- und Verwaltungsautonomie der
vielerorts festgestellte - und vor allem bei vielen jungen Leuten nicht
zu leugnende - Rückgang in der Beherrschung der französischen Sprache
einhergeht. Für die CSP ist daher die Förderung der Mehrsprachigkeit
insbesondere der Zweitsprache Französisch ein besonderes Ziel. Die CSP
sieht die Mehrsprachigkeit als einen der wichtigsten Trümpfe unserer
Bevölkerung. Die CSP wird die Mehrsprachigkeit weiterhin besonders
fördern.
IV. Eine werteorientierte Politik: Mut zur Debatte
Eine
an den genannten politischen Grundoptionen orientierte Politik wird die
damit verbundenen grundsätzlichen Fragen im aktiven Dialog angehen.
Wir
Christlich Soziale haben den Mut zu diesem offenen Dialog. Im Gegensatz
zu anderen Parteien sind wir der Meinung, dass diese grundsätzlichen
Fragen nicht nur dem Einzelnen oder der Anonymität eines kollektiven
Denkens zu überlassen sind.
Die Christlich Soziale Partei setzt sich
deshalb für einen Pluralismus ein, der auch im öffentlichen Raum die
Auseinandersetzung mit politischen, philosophischen und religiösen
Grundfragen aktiv fördert. Das ist Grundlage ihrer zeitgemäßen
Einstellung. Diesen Mut, die weltanschaulichen Fragen im aktiven Dialog
einzubeziehen, ist ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal der
Christlich Sozialen.
V. Ausblick
Diese Grundsätze geben die Richtung an, die die CSP für die Politik der nächsten Jahre einschlagen will.
Mit
diesen Leitlinien wollen wir Politik im Dienste der Menschen in unseren
Gemeinden, in der DG, in der Region, in unserem Land und in Europa
gestalten.
Wir sind überzeugt, dass wir auf dem Fundament dieser
Werte an dem friedlichen Zusammenleben der Menschen in Europa
weiterbauen können. Dabei müsste es uns gelingen, die vielfältigen
Ungleichheiten, Benachteiligungen und Ausgrenzungen, die im Laufe der
Zeit entstanden sind, zu überwinden.
Unser politischer Einsatz in
einer Zeit der Globalisierung darf das Wohl der gesamten
Weltbevölkerung nicht aus den Augen verlieren.
Die Suche nach
Gerechtigkeit und nach Werten sowie die Sehnsucht nach Frieden gehen
über das rein materielle Hier und Jetzt hinaus. Hier spielen die
christlichen Grundwerte eine wesentliche Rolle.
Diese grundlegende
Menschenfreundlichkeit verlangt auch ein politisches Sein dieser
Menschlichkeit, fern von Arroganz und Aggression. Der Politiker als
Mensch mit seinen Stärken und Schwächen ist mitten unter den Menschen
und nicht abseits vom Bürger.
Eine Politik, die diesen weiterführenden Sinnhorizont menschlicher Existenz im Blick behält, steht auf festen Füßen.

